| Kolumne Prof. Paul Vogt: Der Patient als «Randfigur» im Schweizerischen Gesundheitswesen |
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Das Gesundheitswesen der Schweiz gehört bei allen Einschränkungen nach wie vor zu einem der Besten der Welt, und wenn ich mich in einem Lande behandeln lassen müsste, dann in der Schweiz. Die finanzielle Belastung des Einzelnen jedoch verlangt bestimmte Reformen, in deren Rahmen sich auch die Qualität – es ist bei weitem nicht alles Gold, was glänzt - effektiv und kostengünstig steigern liesse.
von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt Fatalerweise sind die aktuellen Reformschritte in unhaltbarem Ausmass nur noch von Ökonomie und Politik bestimmt. Der Patient wird zur Randfigur, die Ärzteschaft, seit jeher politisch eher naiv, spielt den erstaunten Zaungast, der keinen Betrag zur adäquaten, patienten- und qualitätsorientierten, finanziellen Reform des Gesundheitswesens zu leisten vermag. Proteste, Forderungen nach Moratorien und geplante Referenden kommen zu spät. Die politischen und ökonomischen Reformen entziehen sich einer rationalen Diskussion und werden ohne adäquate Information der Betroffenen – der Patienten und der Beitragszahler – durchgedrückt. Politische Neuerungen im Gesundheitswesen sind nicht neu. Aber zum ersten Mal erscheinen sie derart unüberlegt, von monetären Absichten getrieben und radikal, dass sie die Qualität der medizinischen Behandlung verschlechtern. Gerade schwerer und chronisch Erkrankte wie auch ältere Patienten haben von dieser neuen «Spitalwelt» nichts Gutes zu erwarten. Der Politik und Ökonomie ist dies egal. Die Ärzteschaft selbst ist dabei, in einer «neuen» Welt mit Tarmed, Fallpauschalen, Managed Care, Spitalliste, e-Health und Gesundheitskarte ihre Freiheit vollends zu verlieren, sitzt bei den Reformen im Gesundheitswesen aussen vor und hat nicht begriffen, dass sie nur eine radikale Qualitätskontrolle in den Reformprozess zurückbringen kann. Im Rahmen einer Reform läge die Verpflichtung aller Beteiligter im Gesundheitswesen primär darin, die Qualität der erbrachten medizinischen Leistungen zugunsten der Patienten zu steigern und die dabei notwendigen administrativen und bürokratischen zu rationalisieren, um so die Steigerung der Kosten im Gesundheitswesen für einmal nicht nur zu dämpfen – eine rein rhetorische «Vernebelung» des allgemeinen Versagens - sondern um sie nun auch einmal effektiv zu senken. Mit vielen Kollegen bin ich mir einig, dass im «Gesundheitswesen Schweiz» ohne weiteres zehn Milliarden Franken eingespart werden könnten. Voraussetzung dazu wäre, dass sich alle Mitspieler des Gesundheitswesens vorurteilslos an einen Tisch setzen und sich ohne Blick auf eigene Pfründe, Mandate und private Absichten einer nüchternen Analyse hingeben könnten und gewillt wären, rationale Massnahmen auch umzusetzen. Die ewig gleichen, rein rhetorischen Sprüche wie «das Gesundheitswesen ist eine Last…»; «das Gesundheitswesen wird immer teurer, weil wir alle immer älter werden»; «Eigenverantwortung»; «Wettbewerb hilft…»; «Rationalisieren statt rationieren…» helfen nicht. Sie haben es seit 30 Jahren nicht getan. Jede Reform im Gesundheitswesen muss zwei Ziele haben: der Patient, der die bestmögliche Medizin erhalten soll; der Prämienzahler, dessen finanzielle Belastung gesenkt werden muss und kann. Dabei kann man es drehen, wie man will: ohne adäquate Qualitätskontrolle der medizinischen Leistungen, verbunden mit einer exakten Bedarfsanalyse, bleiben ethisch- moralisch akzeptable und kostengünstige Reformen eine Illusion. Nur simultan umgesetzte Reformen, welche von allen Beteiligten Anstrengungen verlangen, haben Aussicht auf Erfolg. Ein Konzept liegt vor. |
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