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Mittwoch, 8. April 2020

Covid-19: Offener Brief an den Bundesrat

Autor: Susanne Hochuli, Präsidentin SPO: Schweizerische Patientenorganisation | Kategorien: Aktuell, Gesundheitspolitik

Gemeinsam mit drei weiteren PatientInnen- und KonsumentInnenorganisationen – dem Dachverband Schweizerischer Patientenstellen, der Stiftung für Konsumentenschutz und der Fédération romande des consommateurs – hat sich die SPO heute Mittwoch in einem offenen Brief an den Bundesrat gewandt.

Nachdem mit Österreich das erste europäische Land die Beschränkungen im Rahmen der Covid-19-Pandemie gelockert hat, sind auch in der Schweiz Forderungen von Parteien und Wirtschaftsverbänden laut geworden, die Massnahmen im Rahmen der «ausserordentlichen Lage» möglichst rasch teilweise oder ganz aufzuheben. Bei allem Verständnis für das Bedürfnis nach einer Rückkehr zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Normalität darf dies aber auf keinen Fall übereilt geschehen. Dem Schutz unserer kranken und älteren Mitmenschen muss weiterhin Priorität eingeräumt werden. 

Lesen Sie den Brief hier im Wortlaut:

Zürich, den 8. April 2020

Sehr geehrte Frau Bundespräsidentin,
Sehr geehrte Damen und Herren Bundesrätinnen und Bundesräte

Sie haben per 16. März 2020 und im Rahmen der «ausserordentliche Lage» gemäss Epidemiengesetz weitreichende Massnahmen zur Eindämmung der weiteren Ausbreitung des Coronavirus und zum Schutz der Schweizer Bevölkerung angeordnet. Die unterzeichnenden Patienten- und Konsumentenorganisationen sind mit Ihren Einschätzungen und Ihren Massnahmen uneingeschränkt einverstanden. Insbesondere danken wir Ihnen, dass Sie dem Schutz unserer kranken Mitmenschen sowie der Solidarität zwischen gesunden und kranken wie zwischen jungen und älteren Menschen eine hohe Priorität einräumen. Angesichts des hohen Gefahrenpotentials dieses Virus für Menschen mit einem erhöhten Risiko erachten auch wir diese Priorität als ausserordentlich bedeutsam für diese Menschen wie auch für die Gesellschaft.

Sie haben Ihre Massnahmen bis mindestens 19. April 2020 angeordnet. Auch wenn wir annehmen dürfen, dass Ihre Massnahmen Wirkung zeigen, ist es zurzeit noch kaum absehbar, wann wir mit einer Rückkehr zur Normalität rechnen dürfen, sofern es eine solche in nächster Zukunft überhaupt geben kann. Vor diesem Hintergrund nehmen wir mit Sorge Kenntnis von aktuellen politischen Vorstössen wie dem Schreiben der Wirtschaftsverbände vom 19. März 2020 an Sie oder den Forderungen der SVP in der Sonntagspresse vom 29. März 2020.

Der Stillstand der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens bereitet auch uns und den PatientInnen und KonsumentInnen grosse Sorge und offensichtlich würden auch wir uns eine möglichst rasche Rückkehr zur Normalität wünschen. Dies insbesondere auch, weil die soziale Isolation und Vereinsamung gerade für ältere Menschen gravierende Auswirkungen haben kann. Gleichzeitig stellen wir fest, dass wir zurzeit über ein nur lückenhaftes Wissen zu Ansteckungs- und Ausbreitungs- Dynamik des Coronavirus wissen. Natürlich rechnen auch wir mit einem rasch wachsenden Kenntnisstand zu Epidemiologie und Diagnostik der Covid-19-Erkrankung. Trotzdem dürften in den nächsten Wochen, vielleicht sogar Monaten, relevante Aspekte der Covid-19-Pandemie im Dunkeln bleiben, die auch für Menschen mit einem erhöhten Risiko oder mit einer chronischen Erkrankung eine erhebliche Gefahr darstellen können. Berichte in den internationalen Medien über wiederholte Ansteckungen bei denselben Individuen oder unerwartetes Wiederansteigen der Fallzahlen sind Beispiele dafür.

Die unterzeichnenden Organisationen bitten Sie daher höflich, dem Schutz der kranken und älteren Mitmenschen weiterhin hohe Priorität einzuräumen. Wir sind überzeugt, dass die Solidarität zwischen gesunden und kranken wie zwischen jungen und älteren Menschen ein wichtiger Pfeiler unserer Gemeinschaft und eine relevante Voraussetzung für das erfolgreiche Meistern dieser Pandemiekrise ist. Wir unterstützen insbesondere, dass ein wissenschaftliches Beratergremium eingesetzt worden ist, das den Bund in der Bewältigung der Pandemie unterstützt.

Wir danken Ihnen für Ihr grosses Engagement zugunsten unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger und versichern Ihnen unsere vorbehaltlose Unterstützung.

Susanne Hochuli, Präsidentin SPO Schweizerische Patientenorganisation

Erika Ziltener, Präsidentin Dachverband Schweizerische Patientenstellen

Sara Stalder, Geschäftsleiterin Stiftung für Konsumentenschutz

Sophie Michaud Gigon, Secrétaire générale, Fédération Romande des Consommateurs

> Brief als PDF lesen und herunterladen



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