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Samstag, 6. Mai 2017

Personalisierte Medizin – aber welche?

Autor: Dr. med. Brida von Castelberg, Vizepräsidentin SPO Patientenschutz | Kategorien: Aktuell, Carte blanche, Kolumnen, Publikationen

Song Li wiegt 42 Kilogramm und ernährt sich noch immer, wie in ihrer Heimat üblich, von Gemüse und Reis. Ihre vier Monate alte Tochter trägt sie bei der Arbeit auf dem Rücken und müde fühlt sie sich abends nicht. John ist 198 Zentimeter gross und hat, seit er nicht mehr Handball spielt, stattliche 20 Kilogramm zugenommen. Seine Leibspeise sind immer noch Burger, und um alle Zellen seiner 102 Kilogramm sanft zu umspülen, braucht er schon mehr als ein Bier. Sarah wohnt in einer WG, fährt bei jeder Witterung mit dem Fahrrad und studiert Politologie. In ihrer Freizeit spielt sie Schlagzeug in einer Frauenband. Isabel kam vor 45 Jahren in die Schweiz, putzte 40 Jahre lang Spitäler vom OP bis zum Patientenzimmer und geniesst jetzt ihre Pensionierung. Für ihre Enkel bäckt sie Rahmtörtchen, die sie auch selber gerne isst.

Wenn diese vier Menschen den Fuss verstauchen, bekommen alle: 3-mal 1 Tablette des Medikamentes X gegen Schmerzen und Schwellung; und wenn sie einen bakteriellen Infekt behandeln müssen: 2-mal 1 Kapsel des Antibiotikums Y. Ist das richtig? Wissen wir nicht schon von den Nahrungsmittelunverträglichkeiten her, dass nicht alle Menschen das Gleiche vertragen? Und ob Frauen gleich wie Männer, ob Junge gleich wie alte Menschen reagieren, wissen wir nicht – die meisten Medikamententests wurden früher mit jungen Männern durchgeführt.

Die beste personalisierte Medizin heute wie früher ist das Gespräch mit dem Arzt, der Ärztin des Vertrauens.

Personalisierte Medizin heisst das neue Stichwort und die neue Hoffnung, um Patienten individuell behandeln zu können. Aufgrund von Genomanalysen, Proteinen und Zellstoffwechsel soll eine massgeschneiderte medikamentöse Therapie möglich gemacht werden. Über die Resultate dieser Forschung weiss man noch wenig, und welche Kosten verursacht werden, ist noch völlig unbekannt. Individuelle Eigenschaften können jedoch nicht nur auf molekularen Gegebenheiten basieren, sondern haben wesentliche psychische und soziale Aspekte, die für eine Therapie eine ebenso wichtige Rolle spielen. Deswegen ist die beste personalisierte Medizin heute wie früher das Gespräch mit dem Arzt, der Ärztin des Vertrauens, der diese Aspekte berücksichtigt, Lebensumstände und Ziele mit seinen Patienten und Patientinnen bespricht und so mit diesen gemeinsam die beste Therapie finden kann.



Weitere Beiträge unter: Aktuell, Carte blanche, Kolumnen, Publikationen

Dienstag, 26. Februar 2019

Kolumne «Die Patientenfrage»: Habe ich Anspruch auf meine Krankengeschichte?

Autor: Barbara Züst | Kategorien: «Die Patientenfrage», Aktuell, Kolumnen, Publikationen, SPO Ratgeber

Die kurze Antwort auf diese Frage lautet «Ja». Die «Geschichte» über Ihre Krankheit gehört Ihnen. Aber worauf genau hat als Patient/in Anspruch, und in welcher Form? Muss man dafür etwas zahlen? Antworten auf diese Frage gibt es in der aktuellen, ersten Folge der Kolumne «Die Patientenfrage» im Magazin «natürlich». Seit Anfang 2019 erscheint im Magazin «natürlich» die […] weiter …

Montag, 26. Oktober 2015

Das Medizinalberufegesetz stärkt den Patientenschutz

Autor: Prof. Thomas Weibel, Nationalrat und dipl. Ing. ETH / SIA | Kategorien: Aktuell, Kolumnen

 Während meiner bald achtjährigen Tätigkeit in der nationalen Gesundheitspolitikstellte ich wiederholt fest, dass die Politik mit der Durchsetzung der Anliegen des Patientenschutzes Mühe bekundet. Immerhin war es möglich, einige Verbesserungen in den Gesetzen zu verankern. Repräsentativ dafür ist die Revision des Medizinalberufegesetzes (MedBG). Mit dem revidierten Medizinalberufegesetz werden nicht nur die medizinische Grundversorgung und die […] weiter …

Montag, 17. August 2015

Carte blanche: Entscheidungsfindungen in der Arzt-Patienten-Beziehung

Autor: Dr. Peter Diego Hartmann, Facharzt Gynäkologie und Geburtshilfe FMH | Kategorien: Aktuell, Carte blanche, Kolumnen, Publikationen, SPO Ratgeber

Die Beziehung zwischen Arzt und Patient hat sich in den letzten 50 Jahren sehr verändert. Bis in die 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts galt das Paternalistische Modell: Der Arzt definierte Kraft seines Wissensvorsprungs die aus seiner Sicht für den Patienten beste Behandlungsstrategie. Der Patient wurde diesbezüglich als unmündig betrachtet. Der Patient konnte allenfalls seine Zustimmung geben. […] weiter …

Freitag, 20. Februar 2015

Kolumne: Glück! Was denn sonst? – Gesund! Was denn sonst?

Autor: Annina Hess-Cabalzar, MA, Präsidentin Gönnerverein SPO | Kategorien: Kolumnen

«Was mache ich falsch», fragen sich viele Menschen in der heutigen Zeit, «dass ich nicht immer glücklich bin? Was mache ich falsch, dass mich manchmal Sorgen belasten? Was mache ich falsch, dass ich auch immer wieder mal scheitere? Wieso schaffe ich es nicht, das propagierte Idealgewicht zu halten? Was habe ich falsch gemacht, dass mich […] weiter …

Sonntag, 19. Oktober 2014

Darf es ein App mehr sein? Von wegen kalte Technik

Autor: MAREN GERLACH, Diplom-Betriebswirtin, MPH, Vorstandsmitglied SPO Gönnerverein | Kategorien: Kolumnen

Aus der Medienpsychologie ist bekannt, dass das Lob der Maschinen bei Menschen ankommt. Wer gelobt wird, bewertet sogar den Computer und die Interaktion mit ihm positiver. Es entsteht eine Beziehung. In Zukunft werden Maschinen uns noch mehr bemuttern, vielleicht werden sie uns sogar direkt mit gesundem Essen versorgen. Gut möglich, dass Mahlzeiten in einigen Jahren aus […] weiter …