Wenn die SPO Patient*innen und Versicherte berät, machen wir den Ratsuchenden oft Mut, kritisch zu sein, Bedenken zu äussern und die eigene Behandlung selbstbewusst anzugehen. Also nicht einfach blind der Empfehlung ihrer Ärzt*innen zu folgen, wenn es dem eigenen Bauchgefühl widerspricht, und nach Alternativen zu fragen – bis hin zur Frage, ob ein Eingriff überhaupt notwendig ist. Dass viele Menschen ein Zögern spüren und Fragen zur Covid-Impfung stellen, kann die SPO also nur begrüssen.

Ebenso klar empfehlen wir Ihnen dringend, sich impfen zu lassen – umso mehr, wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören oder nahen Kontakt zu Personen aus dieser Gruppe haben. Die SPO Patientenorganisation stellt sich hinter die Impfstrategie und -empfehlung des Bundes. Umso bedauernswerter ist der derzeitige Umstand, dass die Impfstoffe nicht im ausreichenden Masse zur Verfügung stehen.

Ist das nun ein Widerspruch zur kritischen Haltung, zu der wir Ihnen immer wieder raten?

Nein.

Wenn wir Ihnen bei medizinischen Entscheidungen raten, nicht zu schnell einer Behandlung zuzustimmen, wenn Sie unsicher sind, dann um Ihnen Zeit zu geben, Argumente und Alternativen in Ruhe abzuwägen – Sie wissen selbst, es kann manchmal schnell gehen beim Arzt. Im Fall der Covid-Impfung sprechen die Argumente aus unserer Sicht eine eindeutige Sprache:

  1. Die Impfungen stellen einen wichtigen Schutz für besonders gefährdete Menschen und ihre Angehörigen dar. Und bei Bestätigung erster wissenschaftlicher Hinweise auf einen Schutz von anderen wird auch der Solidaritätsgedanke es gebieten, auf vulnerable Bevölkerungsgruppen Rücksicht zu nehmen.
  2. Auch für alle anderen Menschen scheint angesichts der frappierenden Übersterblichkeit einzig der Schutz der Risikogruppen eine Perspektive für mehr Normalität und soziale Kontakte zu eröffnen. Für mehr Wirtschaft, mehr Kultur, mehr Familie, mehr Freiheit, mehr Leben. Das Ziel einer Rückkehr zur Normalität ist auch angesichts der psychischen und sozialen Belastungen ein wichtiges Anliegen, ebenso mit Blick auf das Gesundheitspersonal, das derzeit unter einer enorm hohen Belastung steht.
  3. Nebenwirkungen: Ja, der Zeitdruck bei der Entwicklung dieser Impfung war gross. Dennoch durchliefen die Impfstoffe die wichtigsten Testphasen und erzielten nicht nur bei der Wirksamkeit, sondern auch bei der Verträglichkeit – teils abgesehen von seltenen allergischen Reaktionen – sehr gute Ergebnisse. Zwar sind die nun zugelassenen Impfstoffe vom Prinzip her neu, aber wie bei anderen Impfungen treten auch sogenannte «Langzeit»-Nebenwirkungen mit hoher Wahrscheinlichkeit innert weniger Wochen auf. Natürlich gibt es keine 100-prozentige Sicherheit, aber nach Testgruppen mit 15 bis 20’000 Personen und Beobachtungszeiten über 2 bis 3 Monate in den Studien dürften die möglichen Nebenwirkungen der zugelassenen Vakzine mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 99.99% erfasst sein. Die meisten sind mild oder dann sind sie selten.

Übrigens ist auch die Angst vor einem von manchen herbeigeschriebenen «Impfzwang» unbegründet. Ein Impfobligatorium wäre rechtlich möglich, aber nur eingeschränkt auf bestimmte Personengruppen (z.B. Pflegefachpersonen), und auch davon sind wir derzeit noch ein gutes Stück entfernt. Dass Sie physisch zu einer Impfspritze gezwungen werden, ist völlig ausgeschlossen, auch eine Busse wegen «Impfverweigerung» ist in der Schweiz undenkbar – unser Land gewichtet die Freiheit des Individuums sehr hoch.

Mehr zum Thema Impfzwang und -obligatorium lesen Sie in diesem Interview von SPO-Stiftungsrätin Prof. Franziska Sprecher mit dem Eltern-Magazin Fritz und Fränzi

Im Moment kann zu den Impfungen sehr viel Widersprüchliches gehört und gelesen werden. Vertrauen Sie auf wissenschaftsbasierte Quellen. Sollten Sie unsicher sein, empfehlen wir Ihnen, sich bei den offiziellen Stellen wie BAG, Swissmedic, Infovac oder auf der Website Ihres Wohnkantons zu informieren. Sollten Sie auch danach Unsicherheit bemerken, suchen Sie das Gespräch mit Ihrem behandelnden (Haus-)Arzt oder Ihrer behandelnden Ärztin. Diese/r kann Ihnen weiterhelfen.

Der Entscheid, ob Sie sich impfen lassen wollen, liegt letztendlich allein bei Ihnen  – und das ist gut so. Der Rat der SPO ist aber ein klares JA zur Corona-Impfung. Im Interesse der vulnerablen Personengruppen, aber letztlich von uns allen.