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Selbständig sein und bleiben

 

Mit dem Internet hatten nicht wenige Ärzte vorerst ihre liebe Mühe. Denn jetzt begannen  einige ihrer Patienten mit Recherchen  auf den einschlägigen Webseiten. Kundige merkten bald, dass die Medizin mit der Medline und dem PubMed über grossangelegte Wissenstruhen verfügten.

Was hatte das zu bedeuten? Dass sich die Patienten gewissermassen Ausbildung an sich selbst betreiben sollen, um den behandelnden Ärzten zu sagen, was zu tun wäre? Wohl kaum, käme das doch einer blossen Anmassung gleich. Soll es darum weiterhin so zu und hergehen wie vor der Digitalisierung, als der Patient, nachdem er lange genug im Wartezimmer warten musste, mundstill seine Diagnose und Therapie entgegennahm?

Patientenrechte gab es immer schon, auch wenn man sie nicht voll einforderte. Wie soll aber ein Patient entscheiden, ohne dass ihm sein Sachverhalt erklärt wird? Da ist zuweilen die eigene Hilflosigkeit  zu spüren. Die Medizin aber soll nicht nur heilen oder lindern. Auch wenn sie zuweilen den Leuten den Spiegel  vorhalten muss, soll sie niemandem seine Lebensweise vorschreiben. Aber sie hat dazu beizutragen, dass ein Leben in voller Selbständigkeit so lange als möglich ist.

Um dieses zu realisieren, braucht es Regeln; Regeln für die handelnden Personen, Regeln für den Alltag und am Arbeitsplatz, vor allem aber Regeln, die den Patienten  dienen  und schützen. In sehr verdienstvoller Weise hat sich Barbara Züst unlängst mit einer ebenso klaren wie präzisen Arbeit zu den Patientenrechten hervorgetan. Der Titel des äusserst handlichen Buches lautet: Der Patienten-Kompass. Wie der Untertitel besagt, geht es der Verfasserin um selbstbestimmte Entscheide während den medizinischen Behandlungen. Dabei ist ihr auch an unvoreingenommener Literatur gelegen, die sie eingangs aufführt und die der Entscheidungsfindung dienen sollen.

Die Ausführungen zum Kern – das Verhältnis zwischen Arzt und Patient beschlägt nicht nur das rein rechtliche Vorgehen, sondern ebenso sehr das «Drumherum», sei dies das Vertrauen, oder mögliche Alternativen sowie Fragen der Lebensqualität. Der Leser und die geneigte Leserin werden in diese Gefilde mitgenommen. Davon zeugen verschiedene praktische Beispiele.

Dass die Vorsorge ebenso wie die Kosten Erwähnung finden, macht das Buch glaubwürdig. Die grossräumige Umfahrung insbesondere der Kosten kann sich heutzutage kein Autor in Sachen Gesundheit erlauben. Wer Rechte ausweist, muss aber immer auch wissen, dass er oder sie andere damit bedrängen oder durch  andere selber beeinträchtigt werden. Das heisst, es sind auch Konflikte auszutragen. Und das braucht zuweilen Mut und Rückgrat. Viele scheuen sich deswegen, direkt gegen fehlbare Personen vorzugehen, was indessen der Sache kaum dient, keine Lehren gezogen werden.

Die Verfasserin verwandelt sich gegen den Schluss ihrer Arbeit hin zur Ratgeberin. In den Anhängen werden die wesentlichen Elemente nochmals aufgeführt.

Alles in allem hat Barbara Züst eine erfreuliche und vor allem nützliche Arbeit geschrieben – ein praktisches Buch, das einen weiten Leserkreis verdient. Von einer Juristin geschrieben, ist es leicht lesbar. Vor allem aber ist das Buch getragen von der Einsicht, dass trotz unterschiedlichster Interessenlagen letztlich der Patient und die Patientin im Blickfeld stehen müssen. Wer denn sonst!