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Donnerstag, 28. Juni 2018

Sind im Gesundheitswesen Anreiz- auch Ausreizsysteme?

Autor: Karl Ehrenbaum, Ehrenbaum Health Consulting GmbH, Stiftungsrat SPO Patientenschutz | Kategorien: Aktuell, Carte blanche, Publikationen

Jeden Tag werden in den Medien neue Ideen entwickelt, wie im Gesundheitswesen vermeintlich Kosten gespart werden könnten. Das ist grundsätzlich zu begrüssen, da die Kosten nicht nur Bund, Kantone und Gemeinden, sondern auch die Prämienzahler und Patienten immer stärker belasten. Diese Innovationsvorschläge müssen durchdacht, umgesetzt oder kritisch bewertet werden. Einige Beispiele gefällig?

  • Damit keine Lagerkosten, Raummiete etc. anfallen, sind Leistungserbringer auf die Idee gekommen, den Patienten die Medikamente nach Hause zu senden. Die Patienten sollen diese dann zur Visite mitbringen! Was, wenn dies vergessen geht? Was, wenn Patienten zu grosse Mengen zugestellt erhalten, weil es die Verpackungsgrösse so vorgibt? Senkt das wirklich Kosten?
  • Ambulant vor stationär – das soll die neue Zauberformel der Zukunft sein. So  werden Kosten von den öffentlich-rechtlichen Spitälern von Kanton und  Gemeinden zu den Krankenversicherern verschoben. Das bedeutet für  Patienten, dass keine Subvention von der öffentlichen Hand an ambulante Behandlungen entrichtet wird. Die Kosten werden den Prämienzahlern, Patienten und Krankenkassen aufgebürdet. Sinken dadurch die Steuern? Wer bezahlt die höheren Prämien? Sicher, es gibt unter bestimmten Voraussetzungen Beiträge der öffentlichen Hand, die aber administrativen Aufwand ergeben. Wer rechnet diesen?
  • Bei den Zusatzversicherten wird man eine erste Einschätzung gut ein Jahr nach der Einführung vornehmen können. Gekündigte Zusatzversicherungen können für einige bisherig versicherte Personen nicht einfach wieder abgeschlossen werden. Das wird dazu führen, dass die Versicherungen die Kosten auf weniger Versicherte verteilen müssen und das ist eine direkt spürbare Auswirkung. Werden die Prämien sinken, weil weniger Behandlungen im Spital anfallen? Oder werden in den Ambulatorien Zuschläge erhoben werden müssen, weil sie überrannt werden?

Die Entsolidarisierung müsste zu einem starken Aufschrei führen! Wo bleiben diese Stimmen?

  • Fragen zu diesen Neuerungen und weiteren Verlagerungen der Kosten hin zu den Versicherten führen dazu, dass noch mehr Personen Unterstützung von der öffentlichen Hand benötigen, um all diese Kosten tragen zu können. Chronisch Kranke und schwer verletzte Personen können hier an Grenzen stossen. Wo bleibt da die Solidarität?

Die SPO Patientenschutz schaut dieser Entwicklung kritisch entgegen. Die  Entsolidarisierung müsste zu einem starken Aufschrei führen! Wo bleiben diese Stimmen? Wer hilft den Betroffenen? Finanziell kann es die Patientenorganisation nicht. Aber mit dem Aufmerksam-Machen leistet sie ihren Teil, um hier nicht noch mehr Nöte aufkommen zu lassen.



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Mittwoch, 18. Juli 2018

Tagung «Wie fördern wir eine smarte Medizin in der der Schweiz?» am 1. Oktober 2018

Autor: SPO Patientenschutz / sb | Kategorien: Aktuell

Der Verein smarter medicine – Choosing Wisely Switzerland lädt alle Interessierten zur öffentlichen Tagung «Wie fördern wir eine smarte Medizin in der der Schweiz?» am 1. Oktober 2018 im Auditorium Careum in Zürich ein. Das Programm mit Referent/-innen aus unterschiedlichen Bereichen verspricht eine breite Auseinandersetzung mit dem Thema der Fehl- und Überversorgung. > mehr zum Programm und […] weiter …

Donnerstag, 5. Juli 2018

Spitalpatienten und ihre eigenen Medikamente: Verbindliche Regelung fehlt

Autor: Christina Strässle, Beraterin SPO St. Gallen | Kategorien: Aktuell, Fälle aus der Praxis, Gesundheitspolitik

Anlässlich der jährlichen Aktionswochen der Stiftung Patientensicherheit Schweiz hat die SPO letztes Jahr mit Standaktionen Patienten darüber informiert, was sie selber dazu beitragen können, um die Sicherheit während eines Spitalaufenthaltes zu erhöhen. Eine hilfreiche Broschüre finden Sie auf der Website der Stiftung Patientensicherheit Schweiz :  Der nachfolgende, gekürzte Leserbrief zeigt eine spezielle Problematik auf für Patienten […] weiter …

Donnerstag, 21. Juni 2018

Neue SPO-Stiftungsräte gewählt

Autor: Stephan Bader | Kategorien: Aktuell, In eigener Sache

Der SPO-Stiftungsrat hat zwei neue Mitglieder in seine Reihen aufgenommen: PD Dr. med. Peter Berchtold sowie die Journalistin und Sängerin Vanessa Grand. Wir stellen sie Ihnen hier kurz vor. Peter Berchtold ist Facharzt für Innere Medizin mit langjähriger Führungstätigkeit auf allen Funktionsebenen von Spitälern. Er ist Mitbegründer und Co-Leiter des Berner College für Management im Gesundheitswesen […] weiter …

Donnerstag, 21. Juni 2018

Eindrücke vom Frühlingsanlass der SPO im Unispital Basel

Autor: SPO Patientenschutz | Kategorien: Aktuell, In eigener Sache

Am 17. Mai 2018 fand der 2. Frühlingsevent der Patientinnen und Patienten im Universitätsspital Basel statt. Wie 2017 im Bundeshaus ermöglichte dieser SPO-Anlass den direkten Austausch zwischen Patienten und Entscheidern im Gesundheitswesen. Statt Kosteneinsparungen und Verteilungsfragen sollten die Wünsche der Patientinnen und Patienten im Mittelpunkt stehen. SPO-Mitglieder und Interessierte hatten insbesondere die Möglichkeit zum direkten Austausch […] weiter …

Donnerstag, 14. Juni 2018

Info-Anlass 27.08.2018: Der Weg zur Patientenverfügung plus

Autor: SPO Patientenschutz | Kategorien: Aktuell, Fälle aus der Praxis, In eigener Sache

Öffentliche Informationsveranstaltung für Interessenten und Mitglieder: Der Weg zur Patientenverfügung Plus Patientenverfügungen können in der Praxis nicht so konsequent umgesetzt werden, wie es wünschenswert wäre. Mit «Advance Care Planning» (ACP) – sozusagen einer «Patientenverfügung plus» – kann ich meinen Willen als Patient/Patientin aussagekräftiger festhalten.  Diese weiterentwickelte Patientenverfügung bietet an Verbesserungen insbesondere: fachliche Beratung mit ausführlicher […] weiter …