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Kolumne: Glück! Was denn sonst? – Gesund! Was denn sonst?

Autor: Annina Hess-Cabalzar, MA, Präsidentin Gönnerverein SPO

«Was mache ich falsch», fragen sich viele Menschen in der heutigen Zeit, «dass ich nicht immer glücklich bin? Was mache ich falsch, dass mich manchmal Sorgen belasten? Was mache ich falsch, dass ich auch immer wieder mal scheitere? Wieso schaffe ich es nicht, das propagierte Idealgewicht zu halten? Was habe ich falsch gemacht, dass mich eine Erkältung plagt? Was mache ich falsch, dass ich nicht immer gesund bin? Oder wenn nicht ich selbst, wer oder was sonst ist schuld daran, dass ich nicht ausschliesslich gesund, glücklich und freudig bin?»

Sind das überhaupt die richtigen Fragen, die es an mich und an das Leben zu stellen gilt?

Wir erfahren und wissen es: Das Leben lässt sich grundsätzlich nicht auf Einseitigkeiten reduzieren. Und so ist es keineswegs lebensnah, ausschliesslich und einseitig Gesundheit, Glück, Erfolg und Freude zu erwarten. Wir sind keine allein auf diese Bereiche eingestellten Maschinen, die der Revision bedürfen, wenn sie nicht so funktionieren, wie sie sollten. Wir Menschen erfahren im Gegenteil doch die Fülle des Daseins alle täglich – das Leben mit seinem sowohl Hellen als auch Dunkeln. Wir erleben alle Gesundsein und Kranksein, Freiheit und Abhängigkeit, Erfolg und Scheitern, Glück und Unglück, Sinn und Sinnlosigkeit. Lebensnah und empfehlenswert ist deshalb, «die grosse Gesundheit» im Blick zu haben, wie es der Philosoph F. Nietzsche nannte. Die «grosse Gesundheit» umfasst sowohl das Gesundsein als auch das Kranksein, und sie weiss, dass beides zum Leben dazugehört. Was denn sonst?

Die junge Frau auf der Mutter-Kind-Abteilung ist eine der Mütter, die – gemäss der Statistik – wie jede Zehnte nach der Geburt erkrankt ist und erst Monate später mit der Diagnose postpartale Depression in die Mutter-Kind-Abteilung eingewiesen wird. Leider sind dieser Einweisung viele Wochen des Leidens vorausgegangen, das schon viel früher hätte gelindert werden können. Die junge Frau, die bisher noch nie ernsthaft krank war, hatte ihr zukünftiges Familienleben zusammen mit dem Partner und Vater des Kindes bestens geplant und organisiert. Das Kind kam gesund auf die Welt, die Geburt dauerte lange und wurde als überwältigend erlebt. Vordergründig gab es keinerlei Grund zu erkranken. Tiefe Schamgefühle über die Unfähigkeit, die an sich glückliche Situation zu meistern und die wahrgenommene gesellschaftlichen Anspruch, als Mutter glücklich zu sein, führen zu quälendem Verdecken der Situation und damit zu fehlender Behandlung. Weder das familiäre Umfeld noch der Gynäkologe und die Kinderärztin hatten die Zeichen der Krankheit wahrgenommen. Auch wenn alle Umstände der Patientin sorglos erscheinen, so ist die Umstellung vom freien, selbstbestimmten Leben hin zu einer lebenslangen Verantwortung ein grosser Schritt, gerade für empfindsame Menschen. Es ist ein Abschied und ein Neubeginn. Abschiede sind mit Trauer verbunden, unabhängig davon, was der neue Lebensabschnitt mit sich bringt. Können wir die Trauer zulassen? Wissen wir überhaupt, wie trauern geht? Können wir sie leben, im Wissen, dass sie zu Veränderung und Wandlung an jedem Übergang gehört? Depression wird auch die «erstarrte Trauer» genannt. Zur Behandlung gehört, die «anästhesierte Seele» wahrzunehmen und die Schmerzen des «Auftauens» zu begleiten – ganz im Sinne der poetischen Worte von H. Hesse: « Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…Wohlan denn Herz, nimm Abschied und gesunde.»



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