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Der Fall: Unkomplizierte Haftpflichtversicherung 

Während einer Gallenblasenoperation und der nachfolgenden Behandlung kam es bei einem Patienten zu massiven Komplikationen. Die Krankengeschichte brachte ein katastrophales ärztliches Management ans Licht. Dank dem SPO-Anwalt und der kulanten Haftpflichtversicherung konnte immerhin der finanzielle Schaden begrenzt werden.

CHRISTINA STRÄSSLE / MARGRIT KESSLER – Herr Z. (67) ist pensioniert, war aber immer noch als Fahrlehrer tätig. Wegen wiederkehrender Koliken liess er sich in einem Regionalspital die Gallenblase entfernen. Eine Woche nach der Operation kam es zu unerträgliche Bauchschmerzen. Obwohl ein bräunliches dickflüssiges Sekret aus der Wunde floss und sich der Patient sehr schlecht fühlte, wurde ein ganzer Tag damit gewartet, bis eine Computertomographie (CT) angeordnet wurde. Für diese Untersuchung musste der Patient ins Zentrumspital, das eine Stunde entfernt war. Weil der Krankentransport auf die Rechnung des Regionalspitals geht, wählte man ein Taxi. Bei der Untersuchung stellte man eine Dünndarmperforation mit einer schweren Bauchfellentzündung sowie eine Abszessbildung fest. Trotzdem musste Herr Z. den Rückweg ins Regionalspital wieder sitzend im Taxi auf sich nehmen.

Notfallsituation nicht ernst genommen

Bei diesem Krankheitsbild handelt es sich um eine Notfallsituation, und eine sofortige Reoperation wäre deshalb dringlich gewesen. Die Ärzte im Regionalspital liessen sich aber Zeit und operierten erst am nächsten Tag. So kam es, wie es kommen musste: Nach drei Tagen entleerte sich nicht nur galliges Sekret, sondern es entwich zusätzlich reichlich Luft aus der Drainagestelle. Eine weitere Abklärung wurde nicht durchgeführt. Das dunkelgrüne aggressive Sekret frass sich in die Haut. Zu all den Schmerzen kam hinzu, dass kein Auffangbeutel mehr an der Austrittsstelle hielt. Die Ärzte suchten weiter nach einem Gallenleck, obwohl aus den Gallengängen keine Luft austreten kann, sondern nur aus dem Darm. Wenn Luft aus der Drainage tritt, ist kein CT, sondern eine Operation nötig, um das Loch zu finden und zu vernähen. Es ist unverständlich, dass Ärzte den Patienten eine Woche seinem Schicksal überliessen und dann für eine spezielle Gallengang-Untersuchung (ERCP) erneut ins Zentrumspital transportierten. Diesmal durfte der Patient wenigstens mit der Ambulanz fahren. Natürlich fand man dort kein Gallenleck und es floss weiter Gallensaft und viel Luft aus der Drainage. Drei Tage später wurde der Patient nochmals ins Zentrumspital transportiert, diesmal, um ein Leck im Darm zu suchen. Nun endlich wurde eine Darmperforation diagnostiziert. Aber die Ärzte im Regionalspital liessen sich erneut drei Tage Zeit, bis sie in einer dritten Operation das Loch im Dünndarm operierten.

Katastrophales ärztliches Management

Der Leidensweg von Herrn Z. war damit aber immer noch nicht zu Ende. Durch diese massive Belastung erlitt er eine schwere Lungenentzündung. Obwohl die Ärzte mit dem schweren Krankheitsbild überfordert waren, verlegten sie den Patienten erst nach einer Woche ins Zentrumspital. Er litt aber nicht nur an einer Lungenentzündung, sondern an einer weiteren schweren Bauchfellentzündung. Der Bauch musste am Eintrittstag operiert und die aufgegangene Naht am Dünndarm saniert werden. Es folgten noch weitere drei Operationen.

Erst nach dieser Behandlung konnte sich Herr Z. langsam von den vielen Operationen erholen, die aber ihre Spuren an der Bauchdecke hinterliessen. Es entstand ein grosser Narbenbruch, bei dem das Austreten des Darmes nur mit einer Leibbinde verhindert werden konnte. Seinen Beruf als Fahrlehrer konnte Herr Z. nicht mehr ausüben. Da der Verdienstausfall durch diese Zwischenfälle beträchtlich war, fragte Herr Z. bei der SPO nach, ob alle diese Komplikationen tatsächlich schicksalhaft waren, oder ob es sich vielleicht doch um eine unsorgfältige Behandlung handeln könnte.

Eine wahrhafte Odyssee gut beendet

Die Einsicht in die Krankengeschichte machte deutlich, dass Herr Z. eine wahre Odyssee erlitten hat. Trotzdem mussten wir den Patienten darauf aufmerksam machen, dass die Haftpflichtversicherung zu 95% ein Gutachten verlangt. Und ob der Gutachter dann entscheidet, dass es sich um eine Sorgfaltspflichtverletzung handelt oder nicht, ist oft ein Vabanque-Spiel.

Was diesem Patienten – und auch dem Pflegepersonal – zugemutet wurde, ist unbegreiflich. Die Dünndarmverletzung ist zwar eine Komplikation, aber das anschliessende ärztliche Management eine Katastrophe.

Der SPO-Anwalt nahm mit der Haftpflichtversicherung Kontakt auf. Auch diese fand den Verlauf so desaströs, dass sie bereit war, ohne ein Gutachten einen Vergleich für Lohnausfall, Heilungskosten, Haushaltsschaden und Genugtuung in der Höhe einer sechsstelligen Summe in 18 Monaten zu vereinbaren. Eine so gute Zusammenarbeit zwischen einer Haftpflichtversicherung und unserem SPO-Anwalt bei einer so klaren Sorgfaltspflichtverletzung wäre auch bei anderen Fällen sehr wünschenswert.