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Ein Spitalaufenthalt kann krank machen…

BARBARA ZÜST – Monika Raff* musste sich in einer grossen Klinik für eine Woche stationär an der Leiste behandeln lassen. Zunächst schien der Verlauf der Behandlung zufriedenstellend. Sie wollte eigentlich nach drei Tagen ihren Spitalaustritt organisieren, als sie ein zunehmendes Schwächegefühl spürte.

Innert wenigen Tagen litt Monika Raff wegen starken Hustens auch an einschränkenden Atembeschwerden – offensichtlich hatte sie sich während des Spitalaufenthalts mit einem aggressiven Keim infiziert. Umfangreiche Abklärungen zur Erregersuche wurden eingeleitet, zunächst jedoch ohne Erfolg. Auch die prophylaktisch eingeleitete Antibiotikatherapie brachte keine Besserung. Im Gegenteil: Die Patientin musste sich in der Folge wegen schweren Herzproblemen sogar auf der Intensivpflegestation betreuen lassen. Denn der bakterielle Infekt griff bereits das Herz an und zerstörte einen Teil der Herzklappen derart, dass sie sich eine künstliche Herzklappe einsetzen lassen musste.

Eine Spitalinfektion als Ursache

Inzwischen liess sich bei Monika Raff der gefürchtete multiresistente Keim «MRSA» nachweisen. Das Problem bei diesen Bakterien mit dem Namen Staphylococcus aureus liegt darin, dass sie Abwehrmechanismen gegen etliche Antibiotika entwickelt haben und daher nur schwer zu behandeln sind. Staphylococcus aureus kommt regelmässig auf der Haut gesunder Menschen vor, kann jedoch auch in den Körper eindringen und dort Infektionen verursachen.

In der Schweiz gehören Spitalinfektionen zum Risiko, das in der Regel der Patient zu tragen hat. Die zunehmende Kenntnis über MRSA zeigt aber auch, dass – zumindest theoretisch – nicht jede Spitalinfektion als schicksalshaft hingenommen werden muss. Wenn nämlich offensichtliche Hygienemängel Ursache der Infektion sind – wenn also durch korrekte hygienische Versorgung die Keimübertragung hätte verhindert werden können – haftet das Spital. Theoretisch ist diese Haftung derzeit aus unserer Erfahrung noch deshalb, weil es bisher in der Praxis noch nie gelungen ist, den Nachweis einer mangelnden Hygiene zu erbringen.

*Name geändert