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Dass Schweizer Zahnärzte teuer sind, ist bekannt. Meist schmerzhafter als das Bohren ist im Nachgang das Bezahlen der Rechnung. Und doch sind wir pflichtbewusst und lassen uns unsere Zähne periodisch kontrollieren und professionell reinigen. Seit einigen Jahren strömen Zahnärzte aus der EU auf den Schweizer Markt. Die Konkurrenz wächst – und die Qualität?

von ANDREA KUNZ und MAGGIE REUTER, Beraterinnen Zahnmedizin – Walter Baumgartner (Name geändert) sitzt im Café und sieht eine Werbetafel, auf der steht: Zahnarztpreise wie in Ungarn. Schon lange hat er sich mit dem Gedanken getragen, die Zähne sanieren zu lassen. Neugierig geworden, verabredet er einen Termin. Die Beratung des deutschen Zahnarztes ist kurz, der Kostenvoranschlag günstig. Herr Baumgartner freut sich. Endlich soll er schöne Zähne bekommen. Doch aus dem Traum wird ein Alptraum. Mitten in der Behandlung teilt ihm der Zahnarzt mit, dass der Kostenvoranschlag falsch war. Seine Mitarbeiterin sei schuld. Aus den ursprünglich 4000 Franken werden nun 18’000 Franken. Herr Baumgartner beruft sich auf die Unterschrift des Kostenvoranschlages, doch der Zahnarzt belächelt ihn lediglich mit den Worten, er könne ja gehen. Herr Baumgartner hat zu dem Zeitpunkt nur abgeschliffene Stummel im Mund. Er packt das Zahnprovisorium und flieht…

Unterschiedlichste Ausbildungsniveaus

Dies ist leider kein Einzelfall, der bei der SPO auf dem Tisch landet. Zahnärztinnen und Zahnärzte aus dem ganzen europäischen Raum überschwemmen die Schweiz mit qualitativ unterschiedlichsten Ausbildungsniveaus. Vor Jahren pilgerten viele Schweizerinnen und Schweizer nach Ungarn, um dort ihre Zähne kostengünstig sanieren zu lassen. Dieser Zahnarzttourismus hat sich seit der Personenfreizügigkeit verlagert: Viele wittern das grosse Geschäft in der Schweiz. Wie Pilze schiessen sogenannte Dental-Center aus dem Boden und ködern die Patientinnen und Patienten mit einem 24-Stunden-Service und Notfalldienst.

Die Zahnarztplätze werden so auf das Maximum ausgelastet. Sie arbeiten im Rotationsverfahren. Umsatz kann in diesem Mass nur erzielt werden, wenn möglichst viele Patienten in kurzer Zeit behandelt werden. Automatisch leidet da die Qualität. Bei den zahntechnischen Arbeiten kann massiv gespart werden, wenn die Kronen- und Brücken-Arbeiten sowie Teil- und Totalprothesen in China oder im übrigen asiatischen Raum zu Spottpreisen hergestellt werden. Leider wird der finanzielle Gewinn dem Patienten nur selten oder gar nicht gutgeschrieben. Viel schlimmer ist aber, dass die Deklarationspflicht verheimlicht wird und die bestens ausgebildeten lokalen Zahntechniker das Nachsehen haben.

Das vermeintlich neue 24-Stunden-Notfall-Management ist jedoch nichts Neues. Alle SSO-Zahnärzte sind in den zahnmedizinischen Notfalldienst eingebunden und zwar 24 Stunden und 365 Tage im Jahr und das schon seit langem!